100 Jahre KV _ Phaenologie

100 Jahre KV – Phaenologischer Kalender

Zusätzlich zum Zeitungsbericht aus dem PK vom 17.11.2013 (sieheAktuelles 2013„) können Sie hier die Original-Reden nachlesen. Übersicht

Nähere Auskünfte sowie die Grafik im DIN-A3-Format erhalten Sie in der Geschäftsstelle des Kreisverbandes Kontakt mail09

Kalender-Grafik kleingroß

lineani

Was ist Phänologie?
(mit freundlicher Genehmigung von Hr. Bernhard Michels)

Die Wissenschaft, die sich mit den jährlich immer wiederkehrenden periodischen Erscheinungen beschäftigt, nennt sich Phänologie. Aus dem griechischen übersetzt heißt das »Lehre von den Erscheinungen«.
Phänologie, oder einfacher der Naturkalender, ist eines der lohnendsten und interessantesten Kapitel für alle, die sich für und an der Natur begeistern können. Beobachtungen und resultierende Erfahrungen sind fast unerschöpflich.
Kein Jahr gleicht dem anderen, sagt man. Das hat seine Berechtigung. Trotzdem rennen wir bei den ersten warmen Sonnenstrahlen im Frühling hinaus in den Garten, um schon mal die Gartengeräte bereitzustellen. Am 21. März ist zwar Frühlingsanfang, es muss aber noch lange kein Frühling sein, denn 6 Wochen Differenz zwischen den Vegetations-zuständen in verschiedenen Jahren sind keine Seltenheit. Es kann fatale Folgen haben, wenn man sich z. B. nur nach den Aussaatzeiten der Samenpackungen richtet, ohne dabei die Natur zu beobachten. Sehr viel verlässlicher als der altbekannte Kalender mit 4 Jahreszeiten in den 12 Monaten ist der »Naturkalender«, denn für Pflanzen ist die Tageslänge und die Temperatur entscheidend und nicht das Datum.
In vielen geographisch wärmeren Gegenden haben die verschiedenen Jahreszeiten ihren Rhythmus, von einem Tag zum anderen wird es dauerhaft warm, Frühjahrsstürme und Regenzeiten sind relativ pünktlich. Bei uns, in Mitteleuropa, ist das nicht so. Länger anhaltende Hochdruckgebiete sind in der Regel eine Ausnahme, und die zuverlässigste Wetterlage finden wir im Herbst, aber auch das nicht jedes Jahr. Genauer sind hier die Naturbeobachtungen. Das Jahreszeitempfinden wird in uns mehr durch die Schneeglöckchen und Weidenblüte, Löwenzahnblüte, erntende Maschinen, reife Früchte und fallendes Herbstlaub ausgelöst, und ist von Ort zu Ort und Jahr zu Jahr zeitlich völlig unterschiedlich.
Jede Jahreszeit hat in der Natur ihren eigenen, unverwechselbaren Charakter und ihr eigenes Gesicht, die sich in den typischen »Kennpflanzen« widerspiegeln, die uns ihrerseits Rückschlüsse auf das Klima in der unmittelbaren Umgebung geben. Ob die Jahreszeiten in der Natur ihre Optima erreicht haben, verrät uns nicht der Kalender, sondern nur die Natur selbst. Diese »Eintrittszeiten« sind von Ort zu Ort verschieden. In 50 km Entfernung erfreut uns schon die Apfelbaumblüte, wobei vor Ort erst die ersten grünen Knospen zu sehen sind. Wer sich nach den Naturkalender richtet und zudem noch das Wetter beobachtet, kann im Garten eigentlich kaum mehr Fehler machen.
Die Eintrittszeiten phänologischer Phasen spiegeln alle Umwelteinflüsse wider. Daher kann aus diesen Daten der Einfluss veränderter Umweltbedingungen auf die Vegetationsentwicklung ermittelt werden. Langjährige Datenreihen von Wildpflanzen haben dabei einen hohen Stellenwert, weil sie Ausdruck der natürlichen Wachstumsbedingungen sind, einschließlich der klimatischen Verhältnisse.

lineani

Phänologie

schneegloeckchen_kDas Wort Phänologie kommt aus dem Griechischen und bedeutet in wörtlicher Übersetzung „Lehre von den Erscheinungen“. Gemeint sind die periodischen Wachstums- und Entwicklungserscheinungen aller pflanzlichen und tierischen Lebewesen in ihren zeitlichen Abhängigkeiten. Die Phänologie untersucht die Entwicklung der Pflanzen und Tiere im Jahresablauf, indem sie die Eintrittszeiten auffälliger Erscheinungen notiert.
Bei Pflanzen sind dies z. B. Daten für Blattentfaltung, Knospung und Blüte, die so genannten phänologischen Phasen.

Phänologische Beobachtungen haben eine sehr lange Tradition. Die ältesten phänologischen Aufzeichnungen der Kirschblüte stammen aus Japan und sind auf das Jahr 705 datiert. Erwähnenswert sind auch die privaten phänologischen Aufzeichnungen der Familie Marsham aus Schottland, die über sechs Generationen hinweg von 1736 bis 1925 Pflanzenbeobachtungen durchgeführt hat. Erste flächendeckende phänologische Beobachtungen gehen auf Initiative des schwedischen Botanikers Carl von Linné zurück, der 1750 in Schweden ein Beobachtungsnetz mit 18 Stationen einrichtete, das jedoch leider nur drei Jahre lang Beobachtungen durchführte.
Das erste internationale phänologische Beobachtungsnetz entstand 1781. Es war an die meteorologischen Beobachtungen der „Societas Meteorologica Palatina“ zu Mannheim geknüpft und umfasste 32 Stationen, die in einem Gebiet von Nordamerika bis zum Ural und von Grönland bis zum Mittelmeer lagen. 1792 wurden die Beobachtungen leider wieder eingestellt. Erst im Jahr 1882 gelang H. Hoffmann und E. Ihne ein Durchbruch in der Phänologie. Auf ihre Initiative hin wurden seit 1883 nach einheitlichen Richtlinien phänologische Beobachtungen in ganz Europa durchgeführt, die in einer fortlaufenden Reihe bis 1941 veröffentlicht wurden. Um die Entwicklung der Phänologie in Deutschland haben sich vor allem Fritz Schnelle und Franz Seyfert verdient gemacht. Fritz Schnelle gründete u.a. die Internationalen Phänologischen Gärten in Europa.
Während die Phänologie in den 1970er und 1980er Jahren eher ein Schattendasein führte, erlangte sie weltweit in den 1990er Jahren einen beachtlichen Aufschwung. Das erneute Interesse an phänologischen Beobachtungen resultiert einerseits aus dem Bedarf an Bodenbeobachtungen zur Eichung von Geofernerkundungsdaten. Andererseits führt der weltweit beobachtete Anstieg der Lufttemperatur zu einer verstärkten Nachfrage nach Indikatoren zur Beurteilung der Auswirkungen von Klimaänderungen in Natur und Gesellschaft. Phänologische Beobachtungen sind hierzu prädestiniert.
(Quelle: http://www.naturdetektive.de/20103.html)


Rosenschnitt nach dem Phänologischen Kalender:

Sicher vor anhaltendem Frost (Pfaffenhofener Kurier, 27.02.17, Seite 13)

Die Rosen zur Forsythienblüte zurückzuschneiden bewährt sich seit Langem

Eine von Großmutters Gartenregeln lautet: Die Rosen werden erst dann geschnitten, wenn die Forsythien im zeitigen Frühjahr erblühen. Dazu raten Experten in der Tat auch heute noch. Denn die Zeitspanne der Blüte besagt weit besser, wann genau die Rosen schnittreif sind als ein festes Datum im Kalender.
Warum ist das so? Schneidet man Rosen zu früh, können sie noch Frostschäden erleiden. Doch die winterliche Witterung in Deutschland verabschiedet sich je nach Region zu unterschiedlichen Zeiten. Feste Termine für einen Rückschnitt sind daher kaum nützlich. Hilfreicher ist es, wenn die Gartenfreunde die Forsythienblüte beobachten. Denn das Erscheinen der charakteristischen gelben Blüten gilt als ein Merkmal des phänologischen Kalenders, für den nicht die üblichen vier Jahreszeiten zählen, sondern zehn sogenannte phänologische Jahreszeiten. Diese beginnen und enden nicht an einem festen Datum, sondern richten sich jedes Jahr nach den von der Witterung abhängigen Entwicklungen in der Natur. Die Blüte der Forsythien markiert nach dieser Berechnung den sogenannten Erstfrühling. Weitere Indizien, dass diese Zeit erreicht ist – und damit die Rosen gut geschnitten werden können – sind die Blüte von Beerensträuchern wie der Stachelbeere und Obstbäumen wie Kirsche, Pflaume und Birne. Auch Schlehe und Ahorn erblühen, und Birke und Buchen entwickeln ihr Laub, erläutert der Naturschutzbund (Nabu).
Der Schnitt zu diesem Zeitpunkt hat viele gute Gründe: Würde man dies schon im Herbst machen, könnten die Rosen bei anhaltendem Frost Schäden erleiden, die sich bis zum Boden ziehen. Dann treiben die Rosen im nächsten Frühling nicht mehr aus, erklärt der Bund deutscher Baumschulen in Berlin.

Lässt man die Triebe der Sträucher über den Winter aber stehen, halten sich bei üblichen Witterungsbedingungen die Frostschäden in Grenzen. Die Experten sprechen sogar davon, dass ungeschnittene Rosen die kalte Jahreszeit problemlos überstehen.           tmn