100 Jahre KV _ Chronik

100 Jahre KV – Chronik

Zusätzlich zum Zeitungsbericht aus dem PK vom 17.11.2013 (siehe „Aktuelles 2013„) können Sie hier die Original-Reden nachlesen. Übersicht

02.      Chronik des Kreisverbandes
November 1913,  –  kurz vor dem 1. Weltkrieg –
12 Eier oder ein Pfund Schmalz kosteten 1 Mark  –
1 Zentner Hopfen  brachte 40 bis 85 Mark
Wer den Schützenball in Uttenhofen besuchen wollte, musste 50 Pfg Eintritt zahlen.
Für Verwaltungsbeamte, Geistliche und Lehrer gab es  Stipendien  zum Besuch der Obstbaumkurse in Weihenstephan.
          Und die Obst- und Gartenbauvereine bekamen die Aufgabe übertragen, das Volk mit Obst und Gemüse zu versorgen.
Unter diesen Vorzeichen wurde der Bezirksobstbauverband Pfaffenhofen a. d. Ilm gegründet.
Die unmittelbaren Vorläufer der Obst- und Gartenbauvereine waren die Bienenzuchtvereine. Bayern besaß bereits im Jahre 1838 die erste Bienenzeitung in Deutschland. Der erste Obstbauverein in Oberbayern entstand 1862 in Ingolstadt.

1888 wurde der erste Verein in Pfaffenhofen ins Leben gerufen:
der Obst- und Bienenzuchtverein  BAAR / REICHERTSHOFEN.
Es war der 25. Verein im Bezirk Oberbayern.

(Es folgten    1896     Wolnzach und Geisenfeld
1900     Pörnbach
1901     Pfaffenhofen,  Jetzendorf
1902     Ernsgaden)

Im Mai 1911 trat der Bezirksgärtner Franz Schönauer, aus Rohrbach, als erster amtlicher Berater in Sachen Obst und Gartenbau, seinen Dienst am Bezirksamt Pfaffenhofen an.

Er organisierte 1912 eine Obstausstellung.

Diese Ausstellung war mit der Auslöser den Obstbau und die bereits vorhandenen Gartenbauvereine innerhalb des Bezirksamtes Pfaffenhofen zu organisieren.

Das Bezirksamt war  damals das heutige Landratsamt.

Noch im Jahre 1912  hatten sich bereits 19 Vereine aus dem heutigem Landkreis Pfaffenhofen dem damaligen Oberbayerischen Kreisobstbauverband angeschlossen, wie aus dem 8. Jahresbericht dieser Organisation hervorgeht.

 Am    1. 11. 1913   wurde dann der

Bezirksobstbauverband  Pfaffenhofen gegründet.

 

Folgende Gründungsvereine waren daran beteiligt:
ESCHELBACH, GEISENFELD, GEROLDSHAUSEN / HAUSHAUSEN,

JETZENDORF,  ILMMÜNSTER,  MÜNCHSMÜNSTER, PFAFFENHOFEN,
PÖRNBACH, ROHR, ROHRBACH,  SCHEYERN, VOHBURG,  WOLNZACH

Und  Vereine die heute leider nicht mehr bestehen:
TEGERNBACH, ERNSGADEN, SÜNZHAUSEN, LANGENBRUCK, ENTRISCHENBRUNN, GÖBELSBACH, ILMENDORF

Der Bezirksobstbauverband Pfaffenhofen hatte 1914 nicht ganz 1000 Mitglieder.

 Gründungsvorstandschaft:

1.    Vorsitzender:  der königliche RR. und Bezirksamtmann Hans Kätzlmeier
2.    Vorsitzender:  Gutsbesitzer Baron von Freyberg aus Jetzendorf
Schriftführer:        Bezirksgärtner Franz Schönauer, Rohrbach
Kassier:                  Privatier Simon Fottner, Niederscheyern
Beisitzer:                Pfarrer Korbinian Aigner, Scheyern
Ökonomierat und Gutsbesitzer Grabmeir, Scheuerhof
       
                         Pfarrer und Distriktschullehrer Reiß, Ernsgaden
                                 Oberlehrer Lutz, Pfaffenhofen
Hauptlehrer Schlegel, Rohrbach

Mich würde mal interessieren, mit welchen Fortbewegungsmitteln diese Herren zu den Vorstandsitzungen gelangten.
Von 1914 bis 1919 fanden auf Grund des 1. Weltkrieges keine Aktivitäten statt.
1919 übernahm Bezirksamtmann Max Meyer aus Pfaffenhofen den Vorsitz des Kreisverbandes.
Der Kassenbestand 1919 betrug 399,77 Mark

1920 trat der neu gegründete OGV Engelbrechtsmünster/Ilmendorf dem Kreisverband bei.

1926 hatte der Bezirksobstbauverband 16 Ortsvereine mit 416 Mitgliedern.

Von 1927 bis 1934 übernahm Bezirksamtmann Fischer den Vorsitz des Bezirksobstbauverbandes Pfaffenhofen. 

(1929:    Obst- , Gemüse- und Bienenzuchtausstellung in Pfaffenhofen

22 Obstzüchtern, 8 Gemüsezüchter, 8 Bienenzüchter stellten folgendes aus:

105 Delikatessenkistchen mit je 8 Sorten, verschiedene Gemüsearten,        

Honig und Wachs, Essiggurken in Konservierungsgläsern und Blechdosen.)

1930  findet man den ersten Hinweis auf „Dorfverschönerung“ in der Chronik-

Bezirksgärtner Schönauer hielt einen Lichtbildervortrag mit dem Thema:
„Wie können wir unser Dorf durch Obst- und Gemüsebau verschönern“          

(1931  Obstausstellung und Versammlung in Geisenfeld

Der Bezirksobstbauverband Pfaffenhofen hatte 794 Mitglieder, 19 Vereine,

Aktivitäten: 52 Versammlungen, 2 Baumpflegekurse,  1  Veredlungskurs,

2 Vorführungen mit der Dosenverschlussmaschine)

 Am 23.10.1934 findet man den letzten Eintrag im Protokollbuch des Bezirksobstbauverbandes Pfaffenhofen vor dem 2. Weltkrieg.

Grund dafür war:
1935 wurde mit Befehl der damaligen Machthaber der Bezirksobstbauverband PAF und der Bezirksobstbauverband IN zusammengelegt.
Die Verwaltung wurde nach Ingolstadt delegiert. Da die Zusammenarbeit äußerst schlecht war, schlief die Tätigkeit des Bezirksobstbauverbandes PAF ein.
Der erste Eintrag im Protokollbuch des Kreisverbandes nach dem Kriege erfolgte am 10. 10. 1948.

Es fand die Neuwahl der Vorstandschaft statt.
Als 1. Vorsitzender stellte sich Herr Rektor Franz Dohnal, Pfaffenhofen, zur Verfügung.
Als Gast nahm der damalige Landesverbandsvorsitzende Pfarrer Korbinian Aigner an der Versammlung teil.
Am 3. 10. 1949  begann eine weitere Ära des Gartenbaues im Landkreis, Kreisfachberater Andreas Blüm begann seinen Dienst am Landratsamt.

Zwanzig Tage später übernahm er beim Kreisverband den Posten des Schriftführers und Geschäftsführers. Er löste dabei seinen Vorgänger, den mittlerweile pensionierten Bezirksgärtner Schönauer ab, der seit Gründung des Verbandes diese Position inne hatte.

In der Frühjahrsversammlung des Kreisverbandes 1950 wurde unter anderem die Förderung des Obstbaues beschlossen.

Der erste große Schritt der Umsetzung war eine Obstmustermesse des Kreisverbandes in enger Zusammenarbeit mit dem Gartenbauverein Geisenfeld. Hauptinitiatoren waren Herr Blüm und Herr Schlicht aus Geisenfeld.
(Mit 296 Ausstellungsmustern von 80 Ausstellern aus 20 Gemeinden wurde der Beweis angetreten, dass der Landkreis auch über beachtliche Leistungen im Obstbau verfügte.)
In die Veranstaltung integriert waren die Imker mit einer umfassenden Information über deren Arbeit und die notwendigen Geräte.

Neben der Förderung des Obstbaues  wurden in den 50er Jahren insgesamt
5 Blumenschmuckwettbewerbe auf Kreis-  und Bezirksebene abgehalten.
Die damaligen Blumenschmuckwettbewerbe waren in verschiedenen Kategorien ausgeschrieben.
Einige Sieger des Blumenschmuckwettbewerbes von 1951 als Beispiel:

Das Anwesen Siebler aus Geroldshausen siegte bei den Bauernhäusern,
Bei den Schulen siegte die Mädchenschule Pfaffenhofen.
Bei den öffentlichen Gebäuden gewann das Rathaus Wolnzach.
(Der Kreissieger im Blumenschmuckwettbewerb 1954 wurde das damalige Bahnwärterhäuschen, der Posten 18, am ehemaligen Bahnübergang beim Bratzhof  (an der Autobahnbrücke bei Bruckbach).

(Bei der Blumenolympiade 1960 entfielen auf Regierungsbezirksebene 6 Preise an Teilnehmern des Kreisverbandes Pfaffenhofen:
Schütz,  Pfaffenhofen;   Knabenschule,  Pfaffenhofen; Fleischmann, Puch;  Zehetmeier, Geroldshausen;   Schneider, Raitbach)

Nach dem Tode des 1. Kreisvorsitzenden, Rektor Franz Dohnal im Jahre 1967 dauerte es bis zum März 1971 bis sich 10 Männer über einen Neuaufbau der Verbandsführung zusammenfanden.

Die Zahl der Ortsvereine war  auf 10 zurückgegangen mit 1002 Mitgliedern.

Da sich inzwischen einiges im  Lande verändert hatte wurde eine neue Satzung ins Auge gefasst. Das Aufgabengebiet der Gartenbauvereine hatte sich wesentlich ausgeweitet. Neben Obstbau-, Gemüsebau, dem Blumenschmuck, fand auch der Orts- und Landschaftsschutz, sowie die Landschaftspflege Einzug in die Gartenbauorganisation.
Dies bedeutet,  dass der Gartenbauverein damit  Belange der Öffentlichkeit  wahrnimmt. 

Am 26. 3. 1971 übernahm Jakob Sellmair aus Burgstall den Kreisverband als 1. Vorsitzender. Jakob hatte eine sehr schwere Zeit zu meistern.
Während seiner Amtszeit wurden die organisatorischen Weichen des Landesverbandes, des Bezirksverbandes und des Kreisverbandes entscheidend neu aufgestellt.
An der heutigen Konstellation dieser Verbände war der Kreisverband Pfaffenhofen maßgeblich beteiligt.

Der Kreisverband Pfaffenhofen trat sogar am 12.11.1971 aus dem Landesverband aus.

Begründung:
         – Die Höhe der zu zahlenden Gehälter an die Bediensteten des Verbandes

–         – Die vorgesehene Verwaltung der Finanzen

–         – Die Mängel in der Satzung

         – Das Mitspracherecht der Kreisverbände

In zähen und äußerst harten Verhandlungen mit dem Landesverband rang man um seine Rechte.

Erst nach einer Zusage des Landesverbandes, die strittigen Punkte bei der Verbandsversammlung zu behandeln, beschloss der Kreisverband mit einer Abstimmung  von 7:3 der anwesenden Vereinsvertreter den Widereintritt ab 1973.

Im März 1975 übernahm dann Hans Singer den Vorsitz des Kreisverbandes.
1979 übernahm Heinz Huber, Rohrbach, die Geschäftsführung.
Seit dem Jahre 2000  leitet Bernhard Engelhard als 1. Vorsitzender den Kreisverband.
Dem Kreisverband sind aktuell  28 Vereine mit 6577 Mitgliedern angeschlossen.
So viel zu den historischen Eckdaten des Kreisverbandes Pfaffenhofen an der Ilm.

 Verehrte Festgäste,

es ist mir leider nicht möglich, alle wichtigen und interessanten Ereignisse der vergangenen 100 Jahre Revue passieren zu lassen.
Ich hoffe der kleine Ausschnitt gibt Ihnen einen Einblick in die Arbeit unseres Verbandes, vor allem wie vielseitig die Aufgaben des Kreisverbandes für Gartenbau und Landespflege sind.
Zum Schluss bedanke ich mich bei unseren Gartenbauvereinen, Hut ab für den täglichen Einsatz für einen gesunden, schönen Garten und für die Verschönerung unserer Städte und Dörfer.
Eure Arbeit ist nicht hoch genug einzuschätzen!

Solange ich im Kreisverband bin werde ich euch immer unterstützen!

Ich möchte mit einem Wort von Pfarrer Aigner schließen, der anlässlich der Siegerehrung des Blumenschmuckwettbewerbes 1957 einen italienischen Dichter zitierte, der folgendes gesagt hat:

„Drei Dinge aus dem Paradies sind übriggeblieben:

                  – leuchtende Sterne,

                      – unschuldige Kinderaugen, und

                               – Blumen“

Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.

Heinz Huber

Geschäftsführer